Endgültig ausgesponnen

Jutespinnerei Tränkner & Würker

Als „VEB Jutespinnerei Texafol“ firmierte zu DDR-Zeiten der Leipziger Spinnereibetrieb Tränkner & Würker Nachf. Das Unternehmen überlebte die Wende nur um Monate und hinterließ am Karl-Heine-Kanal eine beeindruckende Industriebrache aus der Gründerzeit.

Jutespinnerei Tränkner & Würker
Hinter dichten Brombeerhecken verbergen sich die seit mehr als einem Vierteljahrhundert leer stehenden Gebäude

Am östlichen Ufer des Leipziger Karl-Heine-Kanals liegt unmittelbar an der Lützner Straße der Gebäudekomplex der ehemaligen Jutespinnerei Tränkner & Würker Nachf. Im Schatten der 1884 errichteten Baumwollspinnerei, einst die größte ihrer Art in Kontinental-Europa, produzierte man dort vor allem Verpackungsmaterialien und Hochdruckpressfäden. Die Fabrikanlage wurde im Jahr 1896 errichtet, das Gelände prägt ein langgestreckter einstöckiger Hallenkomplex, der in drei größere Produktionshallen unterteilt ist. Mit dem Kanal auf der einen und eingefasst von zwei Gleisanschlüssen lag das Objekt gut erschlossen in den aufstrebenden Industrierevieren von Lindenau und Plagwitz. In diese Zeit fällt auch die Ansiedlung weiterer Industrie sowie die großflächige Bebauung mit Wohnhäusern im nächsten Umfeld.

Von Leerstand und Vandalismus gezeichnet

In der DDR war das Unternehmen als VEB Jutespinnerei Texafol bekannt. Trotz Umfirmierung in die „Texafol Leipzig GmbH“ überlebte der Betrieb die Wendezeiten nicht. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert stehen die Hallen mittlerweile leer. Der Zahn der Zeit und diverse Brandstiftungen haben den markanten Gebäuden stark zugesetzt. Ein Nebengebäude und ein Teil der Umfassungsmauer wurden beim Ausbau der angrenzenden Lützner Straße Ende 2015 abgerissen, ansonsten ist das Gebäudeensemble, wenn auch von Verfall und Zerstörung gezeichnet, erhalten geblieben.

Graffiti im Heizhaus
Nahezu altarhaft präsentiert sich das Innere des leeren Kesselhauses, das sich zur Graffiti-Galerie entwickelt hat

Zukunft scheinbar noch offen

Auf dem südlichen Areal des Geländes entstand bereits 2011 ein Gesundheits-Sportzentrum, das einen Gebäudeteil denkmalschutzgerecht sanierte. Die erhoffte Initialzündung für weitere neue Nutzungen der brach liegenden Industrieflächen blieb jedoch aus. Es gab dennoch immer wieder Aktivitäten und Projektentwicklungen. Ende 2017 fanden auf dem Gelände Rodungs- und Entrümpelungsarbeiten statt. Konkrete Pläne einer Nachnutzung verharrten jedoch in der Gerüchteküche, gelangten nicht in die Öffentlichkeit. Wahrscheinlich wird es die übliche Mischung aus Neubauten mit Teilen der alten äußeren Hüllen.

Ehemalige Betriebskantine
In der ehemaligen Betriebskantine häuft sich Unrat vor bunten Wänden

Brandschaden Nebengebäude
Einige der Nebengebäude bieten nach Brandschäden einen unverstellten Blick ins Freie

Leerer Flur
Auf den leeren Fluren im Verwaltungsteil spielen Licht und Schatten auf kahlen Wänden

Lichtspiele unter Dachschaden
Das schadhafte Dach gewährt der Sonne ungewohnten Zugang und sorgt für interessante Ansichten

Leere ruinöse Räume
Seit Anfang der 1990er Jahre ist das Gebäudeensemble durch Leerstand und Verfall geprägt

Bunte Graffitis
Auch ohne breiten Besucherverkehr präsentieren sich zahlreiche Graffiti-Galerien dem Betrachter

Blick durch Produktionshalle
Baulicher Mittelpunkt der Anlage ist die langgestreckte ehemalige Produktionshalle

Westseite des Gebäudeensembles
Auf der Anhöhe neben dem Karl-Heinme-Kanal wirken die alten Gebäude beinahe burgenhaft-trutzig

Verfallene Nebenhalle
Bei vielen Räumen lässt sich die einstige Verwendung nur noch schwach erahnen

Zerstörtes Dach durch Brandstiftung
Allgegenwärtig sind Vandalismusschäden, nach Brandstiftungen stürzten Teile der Dachkonstruktion in sich zusammen

Gesamtansicht Lützner Straße
Ende 2017 wurde das Gelände entrümpelt und Bewuchs entfernt, konkrete Umbaupläne sind jedoch nicht zu sehen

 Beiträge Auswahl
 Vorheriger Beitrag  |  Nächster Beitrag 

Verwandte Themen

Gesichter der Großstadt

Gesichter der Großstadt - Markante Graffiti-Porträts prangen an allen Orten