Tribut der Neuen Schäbigkeit

Eine Industriebrache macht Platz

Der in den 1930er Jahren entstandene Hafen in Leipzig hatte über Jahrzehnte keinen Anschluss an das Gewässernetz. Mit der Anbindung kam die Aufwertung des Gebietes und der Bau eines neuen Stadtviertels, das allerdings nicht nur unter Architekten durchgefallen ist.

Flutung des Hafendurchstichs
Die Anbindung des Hafens nach jahrzehntelangem Inseldasein erwies sich als gelungene PR-Aktion

Jahrzehntelang war der Hafen ein Stück Leipzig. Natürlich wusste man, dass der Hafen ein Inseldasein führte und keine Anbindung an ein Gewässer hatte. Er war einfach da, die Brachfläche bot Raum für Hunderunden und Spaziergänge. Am 29. Januar 2015, einem Donnerstag, erfolgte die wasserseitige Anbindung des Hafens an den Karl-Heine-Kanal. Der zum Durchstich hektisch angesetzte Pressetermin inmitten landesweit gärender Protestaktion um Pegida & Co. konnte die lokale Aufmerksamkeit erreichen. Eine Brachfläche verschwand, die Heldenstadt und Boomtown des Ostens wuchs ein weiteres Stück. Das was dann konkret wuchs, charakterisierten lokal tätige Architekten ätzend als Stil der „Neuen Schäbigkeit". Ungeachtet der ghettohaften Grundschnitte, den gefühlten Geschosshöhen von knapp zwei Metern und dem Flair eines Supermarkt-Parkplatzes überrannten die Vermietungspreise deutlich die 10-Euro-Marke. Was hip ist, muss anscheinend nicht überzeugen. ZeitBrüche zeigt Bilder des Geländes vor dem Umbau.


Die alte Luisenbrücke
Die im Jahr 1898 fertiggestellte alte Luisenbrücke führte mehr als 100 Jahre über Brachland, durch das der Karl-Heine-Kanal führen sollte

Brachfläche am Hafenbecken
Reste verschiedener Anschlussgleise, überkommene Bauten und abgelagerter Aushub prägten Teile des Areals

Gebäudereste am Hafen
Verschiedene Gebäudereste ergänzten stilsicher das brachliegende Areal

Hafengelände Blickrichtung Süd
Der heutige Mittelpunkt des neuen Viertels in Blickrichtung Lützner Straße mit Gebäuderesten im Jahr 2011

Neubau Hafenmauer
Im Frühjahr 2014 liefen die Arbeiten zum Aufbau der neuen Hafenmauer

Graffiti an Hafenmauer
In jenem Jahr grüßte auch noch ein Schüsselkopfmännchen von der Betonwand (siehe auch Galerie „Gesichter der Großstadt")

Bauarbeiten im Umfeld der Luisenbrücke
Von der Luisenbrücke war der Umfang der Baumaßnahmen im Jahr 2014 schon zu erahnen

Am späteren Durchstich
Nach Rodungsarbeiten auf der gegenüberliegenden Seite ist das Gelände für den Durchstich vorbereitet

Altmaterial auf Halde
Das Hafenareal wird modern: Bahnschwellen und weiteres Altmaterial warten auf den Abtransport

Ein neues Stadtviertel entsteht
Im Jahr 2017 liefen die Bauarbeiten zum neuen Leipziger Stadtviertel auf Hochtouren

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