Taubenhaus Freiroda

Langer Verfall auf Raten

Der 320-Seelen-Ort Freiroda, heute Teil der Stadt Schkeuditz bei Leipzig, hatte mit dem so genannten „Taubenhaus“ ein markantes wie schönes Gebäude. Nach Jahrzehnten des Verfalls und dem Abriss aller Nachbargebäude gehörte es nur noch zu den verlassenen Orten.

Taubenhaus mit Maklerwerbung
Im Sommer 2017 lief noch die langwierige Suche nach einem neuen Eigentümer für das Grundstück

Um das Ende vorweg zu nehmen: Ende Oktober 2017 genehmigte die zuständige Denkmalschutzbehörde den Abriss des maroden Gebäudes. Mehrere Rettungsversuche seit 1990 scheiterten regelmäßig. Daran konnte auch das Engagement des ortsansässigen Pfarrers Matthias Taatz am Ende wenig ändern. Der letzte Rettungsversuch datiert ins Jahr 2010, als das Herrenhaus Orangella in Wehlen in der Sächsischen Schweiz als möglicher neuer Standort ins Spiel kam.

Doch den ambitionierten Plänen machte die Umwidmung des Wehlener Standortes in das Landschaftsschutzgebiet Elbe ein Ende. Ein Wiederaufbau des Freirodaer Taubenhauses an dieser Stelle war damit aus baurechtlichen Gründen nicht mehr möglich. Bereits drei Jahre früher zerschlug sich ein anderes Umzugsprojekt: Für das Jahr 2007 war die Umsetzung des Gebäudes in den Lissaer Bauerngarten geplant, im Vergleich zu Wehlen nur wenige Kilometer entfernt. Doch an geänderten Förderrichtlinien scheiterte dieses Vorhaben damals aus finanziellen Gründen.

Laden, Wohnhaus, Räucherei

Das so genannte Taubenhaus beherbergte in seiner langen Geschichte bei weitem nicht allein Tauben: Unten im Haus waren oftmals Schweine eingestallt – wenn der benachbarte Fleischer vor Schlachtungen welche einzustellen hatte. Kühlhaus, Laden, Wohnhaus, Räucherei und Schlachthaus der ehemaligen Fleischerei Schmuntzsch im Umfeld des Gebäudes wurden im Februar 2015 abgerissen. Zu diesem Zeitpunkt existierte die einstmals benachbarte Schmiede neben dem Taubenhaus bereits lange nicht mehr. Das gesamte Bauensemble auf dem Gelände ist seit längerer Zeit bis auf den heute noch existierenden Überrest des ehemaligen Taubenhauses geschrumpft.

Big Brother
Die Sicherung des Fensterhebels ist nicht wirklich nachvollziehbar

Ein Blickfang weniger

Verluste auf der einen - Realitäten auf der anderen Seite. Der etwa 200 Jahre alte barock orientierte Bau mit dem markanten Mansardendach gilt architektonisch als einmalig im Altkreis Delitzsch (heute einer der drei Teile des Kreises Nordsachsens). Freiroda hat künftig einen potenziellen Blickfang weniger - doch der eigentliche Verlust des Gebäudes liegt bereits Jahrzehnte zurück. Die umliegenden Gebäude waren längst abgerissen, Interessenten für den Erhalt der heruntergekommenen Fragmente waren keine zu finden. Inzwischen sind das beräumte Grundstück mitsamt den Resten des Taubenhauses an einen privaten Interessenten verkauft. Den unteren Teil des Häuschens möchten die künftigen Besitzer erhalten.

Graffiti Swiderski
Auf der Südostseite ist nach dem Verschwinden der Nebengebäude eine Wand in Fachwerkbauweise zu sehen

Graffiti am Hafenbecken
Ein Teil des Gebäudes wurde vom ortsansässigen Metzger zeitweise als Stallanlage genutzt

Gruß an der B 2
Die alten Kischbäume auf dem Gelände machen einen ähnlich verwahrlosten Eindruck wie das Taubenhaus selbst

Graffiti an Eisenbahnbrücke
Das markante Mansardendach des Hauses gewährt Einblicke ins marode Innenleben

Brückenpfeiler mit Graffiti
Am Taubenhaus offenbaren sich jahrzehntelange Provisorien an der verfallenden Bausubstanz

Graffiti an Brauerei Naumann
Rosa Balken und Blümchenmuster an den Wänden zeugen vom einstigen Zeitgeschmack

Aufzugstür Brauerei Naumann
Saniert zeigt sich die in Teilen aus der Romanik stammende evangelische Pfarrkirche vis-à-vis vom Taubenhaus

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