Denkmal mit etwas Mythos

Sowjetische Panzer, lokale Identität

Panzerdenkmale gelten als sowjetische Erfindung, die auch auf DDR-Gebiet weit verbreitet waren. Unmittelbar nach Kriegsende, so die geläufige Meinung, fanden sie dutzendweise Aufstellung an sowjetischen Ehrenfriedhöfen, Kasernen und öffentlichen Plätzen.

Wächter-Panzer in Baruth
In Baruth/Mark bewachen seit dem Jahr 1946 zwei T-34-Panzer 1.200 Gefallene der Roten Armee auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof

Auffallend ist, dass die meisten der rund zwei Dutzend Panzerdenkmale in der DDR erst mehrere Jahrzehnte nach Kriegsende entstanden. Mit dem Jahr 1975 stand ein runder Jahrestag des Kriegsendes an, manche pragmatischen Gesichtspunkte kamen hinzu. Der Wiederaufbau nach dem Krieg war weitgehend abgeschlossen, neue Aufgaben konnten begonnen werden. Seit Anfang der 1970er Jahre war zudem das Interesse an historischen Artefakten und regionalen Traditionslinien gestiegen. Von diesen Aspekten des Zeitgeistes abgesehen waren die Sockelpanzer einfach zu errichtende Denkmale, die politisch opportun waren, ein Stück Macht demonstrierten und dabei auf fehlendes Material und nicht verfügbare Arbeitskräfte Rücksicht nahmen.

Zeit für Denkmäler

Zum Denkmalspanzer schlechthin geriet der T-34, meistgebauter sowjetischer Standardpanzer des Zweiten Weltkriegs. Technische oder denkmalpflegerische Belange spielten bei der Auswahl der Exponate weniger eine Rolle. Ende der 1960er Jahre gingen die knapp dreißig Jahre alten Panzer aus den aktiven Armeebeständen. Was lag einer Umwidmung einiger gut erhaltener Exemplare zu Denkmalen näher? Viele der Panzer befuhren ihren Denkmalssockel noch aus eigener Kraft.


Panzerdenkmal in Brandenburg-Görden
Wie in Brandenburg werden Panzer gern als Mischwesen aus Mensch und Maschine in einer Apotheose dargestellt

Projektion von Geschichte in die Gegenwart

Die Zahl der Denkmalspanzer auf dem ehemaligen Staatsgebiet der DDR hat sich mit der politischen Wende in etwa halbiert. Die hehren Symbole hatten deutliche Schrammen erlitten: Panzer bei den Ereignissen des 17. Juni, in Ungarn 1956, beim Prager Frühling 1968 oder beim Massaker auf dem chinesischen Platz des Himmlischen Friedens saßen tief im kollektiven Gedächtnis. In vielen Städten kamen negative lokale Erfahrungen als sowjetischer Garnisonsstandort hinzu. Oft traf es zuerst Denkmäler, wie das neben der Schlosskirche in Lutherstadt Wittenberg, die allzu plump ins Stadtbild hineinragten.


Rückansicht Panzerdenkmal in Baruth
Von hinten wirkt die Szenerie in Baruth nüchterner, kaum jemand nimmt neben der B 96 Notiz von der Gedenkstätte

Doch Toleranz und Akzeptanz wachsen mit dem zeitlichen Abstand. Der ursprüngliche symbolische Wert ist bei vielen Denkmalen nahezu verschwunden, ehemals staatstragende Symbole sind Teil der Populärkultur geworden. In kleineren Gemeinden erscheint der Umgang mit den Sockelpanzern entspannter. Oft stehen Hintergrundinformationen und die konkrete Geschichte der Akteure weit vor der symbolischen Bedeutung. Ähnlich ging es mitunter bei der Errichtung der Denkmäler zu. So schrieb das Dörfchen Kienitz Geschichte, dessen Bürgermeister sich mit viel Geduld und Energie engagierte. „Ein Panzer, ja, ein richtiger Panzer - das wäre schon was" wird er noch heute in Chroniken zitiert. Der kleine Flecken hatte schließlich seine bleibende Attraktion, als am 11. August 1970 der Tieflader mit dem Objekt der Begierde aus Görlitz eintraf.


Panzerdenkmal im Dorf Kienitz
Bürgermeister Emil Krüger aus Kienitz im Oderbruch holte 1970 den Panzer ins Dorf, sein Name wurde liebevoll an Panzer Emil weitergereicht

Inszenierung im Stadtpark

Ein Beschluss des Ministerrates der DDR, der regelrechte Nacht-und-Nebel-Aktionen zur Folge hatte, brachte einen T-34 nach Beilrode bei Torgau auf den Sockel. Schnelligkeit war geboten, um den Termin zum 30. Jahrestag der Befreiung einhalten zu können. Der lokale Baubetrieb machte Unmögliches möglich, Schnellfestiger half beim Abbinden und extra angebrachte Riemchen sorgten dafür, dass der Sockel nicht zum Klotz geriet.


Panzerdenkmal in Beilrode bei Torgau
Der Weltkriegsveteran Baujahr 1944 gelangte im Jahr 1975 noch mit eigener Kraft auf den Sockel in Beilrode

Unter den Augen von 5.000 Gästen konnte am 24. April 1975 das Denkmal feierlich eingeweiht werden. Sie verschafften der 4.500 Seelen-Gemeinde Beilrode auch einen Sendebeitrag in den Abendnachrichten der „Aktuellen Kamera”. Ein bisschen lokale Attraktion blieb mit dem Denkmal in der an Events nicht reichen DDR bestehen. Den Panzer ließ man während der Wendezeiten im Dorf, wenngleich er etwas ins Hintertreffen geriet.

Gegen den nach Jahrzehnten unansehnlich gewordenen Stahlkoloss regte sich lokaler Widerstand der eigenen Art. Auf Betreiben der Gemeinde erfolgten Entrostung und Neuanstrich, weitgehend finanziert mit einem fünfstelligen Eurobetrag durch das Kriegshistorische Museum im russischen Wolgograd. Die Einweihung des renovierten Denkmals fand am 25. April 2019 statt. Mit dem russischen Botschafter und dem Generalkonsul der USA war die Feier prominent besetzt, allein die Medienpräsenz beschränkte sich im wesentlichen auf die lokale Zeitung.


Detail Panzerturm in Brandenburg
Schneller als der Panzerstahl des Turmes verfallen Symbole und Blechteile mit kurzer Halbwertzeit

Symbolkraft und Desinteresse

Das Panzerdenkmal in Beilrode steht auch manche Risse in Erzählungen und Symbolen. Allzu tief sollte man nicht graben, um Bedeutungen zu finden. Torgau als sowjetisch - amerikanischer Begegnungsort liegt gut fünf Kilometer von Beilrode entfernt. Doch der berühmte Händedruck war eine mediale Inszenierung für die Öffentlichkeit. Die erste sowjetisch-amerikanische Begegnung fand im Dörfchen Kreinitz bei Strehla statt, knapp dreißig Kilometer südlich von Torgau. Manche Ursachen für Ungereimtheiten dürften ohne weiteren Tiefgang häufig lokaler wie pragmatischer Natur gewesen sein.


Verrotteter Panzer im Museum Seelower Höhen
Ohne die Aufkantung des Denkmalssockels wirkt der Panzer nur noch museal, der erbärmliche Zustand des Museumsstückes in Seelow tut ein übriges

Panzerdenkmal in Burg bei Magdeburg
Der T-34 in Burg bei Magdeburg erinnert seit 2018 in einer neu gestalteten Anlage an deutsche und sowjetische Tote

Dass Geschichte respektvoll und umsichtig behandelt werden kann, bewies man 2018 in Burg bei Magdeburg. Der aus den 1970er Jahren stammende sowjetische Ehrenfriedhof nebst Panzerdenkmal wurde im Zuge der Vorbereitung auf die Landesgartenschau 2018 umgestaltet und erweitert. Unter Einbeziehung des angrenzenden deutschen Soldatenfriedhofs ist die neu entstandene Gedenkstätte den beinahe tausend deutschen wie sowjetischen Opfern von Krieg und Zwangsarbeit gewidmet.

Panzerwracks in Deutschland verwaltet übrigens die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, zudem fallen auch historische Panzer unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. Ungeachtet denkmalschützerischer Aspekte muss die Kanone unbrauchbar gemacht werden. Meist erfolgt das durch Zuschweißen oder Aufschlitzen.


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