Der vergessene Fliegerhorst


Vom Militärobjekt zum Lost Place

  MILITARIA   18 | 3:50 Min

An der Stüdekoppel, südlich vom mecklenburgischen Ludwigslust, sind im Schatten zwischen weitläufigem Brachland und Gewerbegebieten die Reste einer Militäranlage zu finden. Sie entstand für die Luftwaffe, seit dem Abzug der Roten Armee stand das Objekt leer, verfielen Gebäude zu Ruinen.

Eingelagerte Betonteile auf einem Gewerbegrundstück, im Hintergrund Ruine eines Hangars
Vom angrenzenden Gewerbegebiet wirken selbst Gebäude wie ein Hangar sehr unauffällig

Es ist nicht so, dass das verfallende Objekt im Niemandsland stehen würde. Im nordwestlichen Teil des Geländes befindet sich heute eine Kiesgrube für eine nahe gelegene Baustofffirma. Das schmale Südost-Ende teilen sich die übriggebliebenen Reste des Fliegerhorstes mit einem Gewerbegebiet. Flächendeckend aber erobert sich die Natur das brach liegende Gelände Stück um Stück zurück.

Umgestürzte Birke im Dickicht vor einem kaum zu erkennenden Flugzeug-Hangar
Selbst die Natur scheint sich an den allgegenwärtigen Verfall der Brache anpassen zu wollen

Beginn im Geheimen

Das Gelände beherbergte zuerst den Fliegerhorst Ludwigslust. Die Pläne für eine Einsatz- und Ausbildungsstätte entwickelte bereits die Reichswehr, noch vor der Gründung der Luftwaffe begannen 1934 die Bauarbeiten. Doch die Zeit dieser Flugschule währte nicht lang.

Loch in einer Grasdecke, die über ein gepflastertes Rollfeld gewachsen ist
Das gepflasterte Rollfeld vor den Hallen ist unter einer festen Grasschicht noch vorhanden
Blick in den leeren Hangar 2, auf dem Boden ist Moos zwischen einzelnen Deckenbalken gewachsen
Im verfallenden Hangar liegen Reste von Betonbruch neben abgestürzten Dachbalken

Am Standort Ludwigslust verblieben bald nur noch Wartungsarbeiten durch die Heinkel-Flugzeugwerke sowie das Einfliegen und die Truppeneinführung neuer Flugzeugtypen, unter ihnen die Ju 88, He 177 und He 162. Bis Kriegsende folgten Stationierungen und Bezeichnungen im beständigen Wechsel: Lehrgeschwader, Kampfgeschwader, Aufklärungsschule, Jagdgeschwader, Ergänzungs-Nachtjagdstaffel, Schlachtgeschwader, Kampfgeschwader, Transportgruppe.

Ruine hinter kahlen Bäumen und emporgewachsener Sträuchern
Ein relativ freier Blick über das Gelände ist nur während der vegetationsfreien Zeit möglich
Einzelne Betonstelen unter kahlen Bäumen mit schemenhaft erkennbaren Gebäuden im Hintergrund
Manche Einrichtungen und Bauten lassen sich nach Jahrzehnten Brachfläche nur noch erahnen
Reste eines Heizhauses mit breitem Schornstein und verschütteten Kohlebunkern im Wald
Hinter dem einstigen Heizhaus manifestiert sich der nicht aufzuhaltende Wiedereinzug der Natur

Beständigkeit und Wechsel

Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg zeichneten sich hingegen durch gewisse Beständigkeit aus. Nach 1945 belegten sowjetische Streitkräfte der Westgruppe die Anlagen. Hauptnutzer war ein Panzerregiment, aber auch Mot-Schützen, Panzerabwehr und Pioniere waren am Standort des einstigen Fliegerhorstes stationiert.

Blick durch Fenster in verrostetem Tor in einen verfallenen Flugzeughangar
Zwei leerstehende Flugzeughangars überstanden Abrissaktionen, aber die Zeit arbeitet gegen sie
Blick über weites flaches Brachland zu der Torseite eines Hangars
Die Hangars gehören zu einem Standard-Bautyp, der damals Deutschlandweit Verwendung fand

Auf dem Gelände befand sich außerdem eine Radarstation sowie ein Beobachtungsposten. Ein Feldflugplatz der sowjetischen Streitkräfte entstand dagegen südöstlich des Fliegerhorst-Geländes neu.

Einzelnes kleines Wachgebäude hinter emporgewachsener Vegetation
Von der Zeit als Standort der sowjetischen Infanterie zeugt noch ein verlassene Postenhäuschen
Verlassener Schreibtisch im Bauschutt eines kleinen Wachgebäudes
Im Inneren ist der Dienstposten wüst aber weitgehend intakt – mitten im Niemandsland der Zeit
Löchrige und beschädigte Reste einer Schießbahn im Wald, von hinten betrachtet
Die Reste einer Schießbahn wehren sich erfolgreich gegen die sich ausbreitende Natur
Blick durch geöffnetes Tor eines Hangars auf Betonbruch unter marodem Dach
Einer der Hangars dient noch als ziemlich sinnfreier Lagerraum für angefallenen Betonbruch

Schrittweiser Verfall

Wie andere militärische Bauten auch errichtete man Gebäude und Anlagen streng nach festgelegten Standarts. Die Hallendächer der Hangars entstanden in bewährter Leichtbauweise als Stahlfachwerkkonstruktion mit Holzverkleidung. Waren die Gebäude und Anlagen nach Jahrzehnten ohnehin in keinem guten Zustand, verschärfte sich mit dem Abzug der sowjetischen Truppen die Situation.

Torseite am Hangar mit leicht verrosteten Schiebetoren vor kurzem Rasen
Die Schiebetore sind noch weitgehend intakt, dennoch ist der Hangar baufällig geworden
Inneres des Hangars mit marodem Dach, fehlenden Fenstern und undichten Toren
Als Fahrzeughalle und zum Einstellen von Ausrüstung ließ sich der Bau auch ohne Flugzeuge nutzen

An einer Nachnutzung als Militärstandort bestand kein Interesse, für eine zivile Nutzung der Gebäude fand sich in der Nachbarschaft des Gewerbegebietes Techentin kein Interessent. So lag das Gelände als Niemandsland in der Zeit erst einmal brach.

Blick von den Resten der Fliegerschule zur schemenhaft erkennbaren Müllverbrennungs-Anlage
Ein Teil des Geländes wurde zum Standort einer neu errichteten Müllverbrennungs-Anlage

Der nordöstlich gelegene Flugzeughangar 1 verschwand 2005 für den Bau einer Müllverbrennungs-Anlage (übrigens die kleinste in Deutschland). Nur Hangar 2 und 3 blieben stehen. Vor allem die Konstruktion der Hangardächer befindet sich in einem desolaten Zustand, Teile sind bereits eingestürzt. Auch die ehemalige Fliegerschule und das Heizhaus sind stark vom Verfall gezeichnet.

Marode Freitreppe, mit einer Mosschicht und jungen Bäumen bewachsen
Mitten in Natur zeigt sich die marode Freitreppe am Eingang zur ehemaligen Fliegerschule
Betonmauer hinter Wildwuchs, darauf mit grüner Farbe der Schriftzug 'Черкассы' (Tscherkassy)
Armeegrüne Mauerbotschaft zum Schluss: 1992 geht es ins ukrainische Tscherkassy zurück