Ausrangiert und aufbewahrt


Lost Place Loksammlung Falkenberg

  TECHNIK   18 | 3:45 Min

In Südbrandenburg rosten beinahe fünfzig ausrangierte Dampflokomotiven der Reichsbahn still vor sich hin. Bernd Falz, Eisenbahnliebhaber und Sammler, kaufte nach der politischen Wende in großem Stil Dampfloks auf, um sie gegen den Lauf der Zeit aufzubewahren.

Blick auf die Treibachse einer der abgestellten Dampfloks
Es ist keine gewöhnliche Loksammlung, eher ein eindrucksvoller Ort außerhalb der Zeiten

Hobby und Leidenschaft

Hinter der Sammlung steht die Person des Eisenbahn-Liebhabers Bernd Falz. Der gebürtige Pfälzer ist Jahrgang 1945, sein Geburtshaus in der Nähe der Hochwaldbahn legte den Eisenbahnbezug. Was folgte, war aber keine Eisenbahner-Laufbahn, sondern eine kaufmännische Ausbildung mit erfolgreicher Tätigkeit als Unternehmensberater. Sie sicherte den materiellen Hintergrund. Das Ende der Dampftraktion in Saarbrücken gab den Startschuss für die Loksammlung. Vier ausrangierte Lokomotiven wechselten 1976 in seinen Besitz.

Russischer Wein vor dem rostigen Führerhaus einer abgestellten Lok
Die wachsende Natur sorgt an der vergangenen Technik für einen zusätzlichen Kontrast
Dreimal hintereinander verfallende Technik entlang der Gleise
Ein Blick quer über die Abstellgleise mit manchen Eindrücken von Verlust und Verfall

Resterampe Reichsbahn

Im Juli 1982 rollen die nächsten vier Loks ins Haus, die er sich bei der Deutschen Reichsbahn der DDR sichern konnte. Sie kommen zunächst im alten Lokschuppen in St. Wendel unter, vier Loks aus Ost, vier Loks aus West. Im Herbst 1987 wird der Lokschuppen im heimischen Hermeskeil ihr neues Domizil. Das Problem: Er besitzt nur Platz auf sechs Schuppenständen.

Rückansicht der Loks - dicht hintereinander in ihrer Warteschlange
Bereits die Menge der auf überschaubarem Raum abgestellten Lokomotiven ist beeindruckend
Dahinrostende Dampfloks, die Reste einer Mauer und frisches Birkengrün
Noch im Verfall ist der Nimbus eines vergangenen Zeitalters der Technik zu spüren
Blick aus dem Führerstand auf die langgestreckte Doppelreihe Lokomotiven am Kohlebansen
Blick zurück von einem Führerstand auf die scheinbar endlosen Lokreihen in der Natur

Die DDR kommt mit den Umbrüchen des Jahres 1989 noch einmal ins Spiel, denn mit dem Ende der Deutschen Reichsbahn gelangen zahllose Loks auf Abstellgleise. Den Lokliebhaber Falz setzt das breite Angebot im schmalen Zeitfenster unter Druck. Aus dem geplanten nächsten Viererpack werden mehr als vierzig.

Führerhaus der Lok 50 3642 hinter einer halb eingefallenen Mauer
An den Loks wie an den technischen Anlagen sind die Spuren der Jahrzehnte sichtbar erhalten
Lokreihen nebeneinander unter dem historischen Kohlebunker
Unter dem Hochbunker stehen die rostigen Riesen in Momentaufnahme über den Zeiten

Sammlung auf Wanderschaft

Die vier Gleise vor dem Hermeskeiler Lokschuppen stehen mit den Neuerwerbungen, die in zwei Zügen im Juli 1992 eintreffen, bald voll. Zwischenlager und Umschlagplatz wird Ende 1993 der Bahnhof Basdorf bei Berlin. Hier bündeln sich die bewegten Zeitläufe, treffen unterschiedliche Akteure aufeinander. Ein neues Eisenbahn-Unternehmen übernimmt die Anlagen, von denen sich die Deutsche Bahn zurückzieht, dazu kommt der zeitweise Ableger eines Eisenbahnvereins, im Hintergrund läuft dazu noch eine Gebietsreform.

Blick über Lokfront auf Lok hinter Mauerresten auf Nachbargleis
Eine stille Wartegemeinschaft von Loks und technischen Anlagen im Gang durch die Zeit
Teleaufnahme durch Lokreihen, quer durch Verfall und wiederkehrende Natur
Die Ansichten, die der Verfall entstehen lässt, sind verstörend als auch beeindruckend
Steinhaufen in einem verfallenen Dienstposten mit Lok vor den Fensteröffnungen
Auch aus einem ehemaligen Dienstgebäude heraus ist der gemeinsame Verfall gut zu sehen

Aus räumlicher Enge und divergierenden Interessen zieht die Sammlung Falz im Lauf des Jahres 1995 in mehreren Wellen nach Altes Lager bei Jüterbog. Es ist ein weiträumiger Garnisonsort, den die Sowjetarmee für ein Jagdfliegergeschwader nutzte. Doch die 6.000 Meter Gleis im Objekt bleiben nur ein zeitweiliges Asyl. Im September zieht die Karawane nach Falkenberg weiter – in das aufgelassene Bahnbetriebswerk oberer Bahnhof. Insgesamt sind es neun Lokzüge, die unterwegs sind.

Verfall in einem Führerstand, im Hintergrund wartet ein Autotransportzug
Dem Schrott ist die Lok entkommen, nicht dem Verfall – im Hintergrund der Rohstoffkreislauf
Die Segeltuchvorhänge im Führerstand sind zu Stofffetzen geworden, alle Armaturen wurden ausgebaut
Ein anderer Führerstand zeigt ebenso die Ferne zu den vergangenen Einsatztagen der Lok
Blick durch einen leeren Schieberkasten auf die dahinterstehende Reihe Lokomotiven
Fehlende Baugruppen an den Loks ermöglichen an einigen Stellen neue Ein- und Durchblicke

Ankunft im Bahnbetriebswerk

Das Falkenberger Bahnbetriebswerk, genauer der obere Teil auf dem zweietagigen Bahnhof, bietet seither den passenden räumlichen Hintergrund für die Sammlung. Zentrum ist der 18-ständige Ringlokschuppen mit seiner 23-m-Drehscheibe, dazu ein Reparaturschuppen und ein weitläufiger Außenbereich mit Gleisanlagen um die einstigen Kohlebansen und den Hochbunker.

Blick vom Hochbunker über die Lokreihen,
Aus der Vogelperspektive beeindruckt die ungewöhnliche Techniksammlung ebenfalls
Torso einer Lok vor dem erhaltenen Kohlehochbunker
Die Hochbunker-Bekohlungsanlage war hier bis zum Ende der Dampflokzeit 1987 in Betrieb
Abstellgleise der Außenanlage mit den Lokreihen hinter einem Weichensignal
Auf dem weitläufigen Gelände trotzen die einstigen Boliden ohne Betriebsamkeit Zeit und Verfall

Etwa ein Dutzend der Loks konnte komplettiert und äußerlich aufgearbeitet werden. Im Ringlokschuppen stehen sie unter einem schützenden Dach. Der Rest rostet auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes vor sich hin. Ein Museum im landläufigen Sinne ist in Falkenberg nicht entstanden. Es ist statistisch die größte private Loksammlung in Deutschland und darüber hinaus. Vor allem aber ist es ein beeindruckender Ort zwischen den Zeiten.

Frische Farbe auf dem entrosteten Rahmenvorderteil einer abgestellten Lok
Eine handvoll Enthusiasten versucht, einige Exemplare dem Zeitenlauf zu entreißen