Angeheftet

Zeitsprung unter Schnee und Eis

Lost Places im Winter

Auch wenn der fotogene Schnee-Winter immer öfter ausbleibt, liefern zahlreiche Archivaufnahmen leicht wehmütig angehauchte winterliche Impressionen aus vergangenen Jahren. Auch – oder gerade weil – der Schnee interessante Spuren an den Lost Places abdeckt.

Winter im Lindenauer Hafen 2010
Die alten Speicher stehen unverändert, Schnee und Kälte scheinen sie zu fixieren

Früher war mehr Lametta heißt das berühmt gewordene Zitat aus dem Loriot-Sketch Weihnachten bei den Hoppenstedts aus dem Jahr 1976. Früher war natürlich auch mehr Schnee – wenigstens in der Erinnerung. Aktuell bleibt in unseren Breiten die weiße Pracht immer häufiger aus. Dass dies in den vergangenen Jahren wenigstens für einige Tage nicht immer so war, offenbart ein Blick ins Bildarchiv. Zutage kommen keine spektakulären Katastrophenbilder mit meterhohen Schneeverwehungen, sondern Alltagsaufnahmen mit Lost Places in Weiß. Auf ihnen zeigt sich der schnell ablaufende Wandel der Stadtlandschaften. Im Mittelpunkt stehen vergangene Zeiten und verschwundene Orte, selbst wenn seitdem nicht einmal ein halbes Jahrzehnt verstrichen ist. Die mehr oder minder weiße Schneedecke deckt ab, nivelliert die Unterschiede und verziert. Sie überzieht Neubauten wie Ruinen, Brachflächen ebenso wie Landschaften und Parks.

Winter ist für Lost Places egal

Doch mit Bestimmtheit kann man die egalisierende Rolle gewiss nicht behaupten. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall. Auch wenn die Schneedecke mit ihren vielfältigen Mustern vieles abdeckt, unterstreicht sie doch auch die zeitliche und räumliche Entrücktheit der Objekte aus dem aktuellen Geschehen. Wenn es ein geplantes Wieder-Aufstehen zur Frühlingszeit geben würde, könnte man wahrscheinlich auch von einem vorübergehenden Winterschlaf sprechen.

Blick zur Engertstraße in Leipzig-Plagwitz
Der weiße Schnee verleiht den graubraunen Tönen mehr Farbe

Winterzauber sieht anders auch

Das, was bislang in unserem Kulturkreis mit Weihnachten verbunden wird, hat mit den Lost Places ungeachtet einer anheimelnden und attraktiven Schneedecke oberflächlich betrachtet eher nichts zu tun. Doch Weihnachten bedeutet Wintersonnenwende, kündigt die kommenden helleren Tagen an und steht nicht zuletzt auch für ein über allem stehendes Heilsversprechen. Letzteres kann stutzig machen – verbirgt sich dahinter nicht auch der Gedanke, so etwas auch im sonst recht trüben Feld der Lost Places zu erleben? Dass erhaltenswerte oder interessante Bausubstanz einen Investor findet, der interessante Zeitzeugen erhalten möge und nicht allein eine historische Fassade vor einen Neubau stellt?

Baustelle König-Albert-Brücke
Industriearchitektur und Baustelle unter Puderzucker

Das noch unsanierte Capa-Haus
Die verlassenen Gebäude wirken entblößt

Umbauarbeiten Bahnhof Plagwitz
Weiße Schneedecke – wenig Farben, klare Linien

Ehemalige Ladestraße
Den Resten der alten Ladestraße dürfte die Jahreszeit egal sein

Wasserturm Leipzig-Plagwitz
Triste Ecken wirken auf dem weißen Teppich fast feierlich

Rampe Industriegleis P X
Exakt registriert der Schnee die Spuren der Besucher

Ruststraße im Frost
Kahl und einsam steht die Birke auf dem Dach – ein wenig einladendes Ensemble

Fabrik-Areal am Karl-Heine-Kanal
Leicht verborgen und geschützt hinter Brombeergestrüpp und hohem Schnee

Aurelienbogen ante quam
Der Winter gibt den Blick frei auf verborgene Gebäudereste

  THEMEN

  Angeheftetes auf ZeitBrüche:


  Es ist Advent – Der etwas ander Adventskalender

  Das schöne Detail – Nicht alles ist in Moll gesetzt

  Lost Places im Herbst – Die interessante Jahreszeit

  Einblicke und Ausblicke – Wechsel der Blickrichtung

  Der Schlusspunkt – Die letzten Punkte im Überblick



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