So geht Lockdown richtig!


Das Dichtmachen von Lost Places

  URBANES   18 | 3:15 Min

Orte, die aus der Zeit gefallen sind, unterliegen einem Dreischritt der Nichtnutzung: Es beginnt mit dem Hinaustragen wertvoller Gegenstände, diametral ergänzt durch das Hineintragen von Müll. Nach einiger Zeit folgt ein Brandschaden, der schließlich die Abrissphase einläutet.

Gegen Vandalismus verschlossene Eingänge eines leerstehenden Gebäudes
Beim Lost Places steht das Dichtmachen für das Wahren elementarer Überlebenschancen

Schritt Eins – ­Das Hinaustragen

Das Dichtmachen grenzt aus der Zeit gefallene Objekte funktional und räumlich ab. Verschlossene Türen und Fenster sind das weithin sichtbare Zeichen von Nichtnutzung und dauerhaftem Leerstand. Dabei dienen die martialischen Sicherungsmaßnahmen dem Selbstschutz, ein einfaches Abschließen reicht nicht mehr aus. Es müssen wirksamere Hürden für ungeladene Gäste gesetzt werden.

Historische Tür
Schließeinrichtungen an Türen kamen historisch erst mit zunehmender Verstädterung auf
Bautür
Die harmloseste Form der Sicherung ist die Bautür, die später von allein verschwindet
Verschweißte Tür
An einem ehemaligen Militärobjekt ist die Sicherung bereits etwas robuster ausgeführt
Rasengittersteine
Rasengittersteine können an verlassenen Objekten für stabilen Schutz und Luftzirkulation sorgen

Schritt Zwei – ­Man trägt hinein

Bis zum ersten Loch im Zaun ist es nur eine Frage der Zeit. Zuerst sind es leere Getränkebehälter und Fastfoodverpackungen, die der umweltbewussten Generation aus Hand oder Auto fallen. Dann folgen Glasflaschen und die Splitter eingeschlagener Fensterscheiben. Bald wächst der Müllberg ohne Unterlass. Häufig scheint man dabei keine Hürden und Mühen zu scheuen, um auch mit unhandlichem Müll die entlegensten Ecken zu erreichen.

Mülltonne
Seltene Ausnahmen bestätigen die Regel: Es gibt unter den Lost Places auch ordentliche Orte
Vermüllte Garage
Verlassene Orte ziehen gewöhnlich binnen kurzer Zeit alle Arten von Müll magisch an
Müll im Kraftwerk
Ein Paradoxon: Zum illegalen Ablagern von Müll werden weder Kraft noch Barrieren gescheut

Schritt Zweieinhalb

Bunt, bunter, Einheitsbrei: Was es früher nicht gab, war preiswerte Farbe in Spraydosen und ihre Auswirkungen aufs Stadtbild. Dabei suchen Graffitis entgegen populärer Lehrmeinungen nicht unbedingt das Licht der Öffentlichkeit. Viele wirkliche Künstler haben ihren speziellen Raum oder ihre speziellen Objekte für sehenswerte Kunst gefunden. Manche dieser Kunstwerke möchte man mit den geläufigen Schmierereien am nächsten Fassadeneck gern tauschen.

Graffiti an Kessel
Ein anderes Paradoxon: Talentierte Graffiti-Künstler suchen nicht automatisch die Öffentlichkeit
Türen mit Graffitis
Flächendeckende Farbaufträge – Undokumentiert bleiben Zeiteinsatz wie Farbkosten
Graffitifassade
Im öffentlichen Bereich sind heutzutage meist nur kunstlose Schmierereien zu finden

Schritt Drei – Warmer Abriss

Bald bahnen sich Trampelpfade unerbittlich durchs Objekt und bringen unerfreulichen Besuch mit sich. Es folgen die obligatorischen Brandschäden. Was verlassen dasteht, kann man ja anstecken, vom verbotenen Gegenteil war schließlich nichts zu lesen. Nicht selten kommt auf diese Weise eines zum anderen. So wie früher ein Dachrinnenschaden ein komplettes Gebäude ins Verderben ziehen konnte, sind es heute diverse Brandschäden, die am Ende ganze Karrees auslöschen.

Ausgebrannte Fahrzeuge
Über Akte des Vandalismus scheint allein das Unbeobachtetsein zu entscheiden
Niedergebranntes Gebäude
Brandstiftung vermindert kostengünstig auch das später abzureißende Gebäudevolumen
Ausgebranntes Bahnhofsgebäude
Nichtstun als alternativlose Strategie: Warten auf Fördermittel für den kostengünstigen Abriss
Abgebranntes Gasthaus
Manche Gebäude kamen mitunter ohne Leerstand direkt zu einem Brandschaden
Dachschaden nach Brand
Dachschäden als Brandfolge lieferten leerstehende Gebäude vollends der Witterung aus
Ausgebrannte Ruine
Brandschäden in Serie hinterließen am Ende nur noch elementare Mauerreste
Zugemüllte Fabrikhalle
Besucher und Vandalismus haben (wieder einmal) einen Lost Place niedergemacht